Gedichte Glück


Gedichte - Glück

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Thema: Glück für Leserunden und Gedächtniseinheiten.


An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
goldener Tropfen quoll’s
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik —
trunken schwamm’s in die Dämmerung hinaus…

Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd vor bunter Seligkeit.
— Hörte Jemand ihr zu?…

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

 

 

Du wirst es nicht zu Tüchtigem bringen
bei deines Grames Träumereien,
die Tränen lassen nichts gelingen;
wer schaffen will, muß fröhlich sein.

Wohl Keime wecken mag der Regen,
Der in die Scholle niederbricht,
Doch golden Korn und Erntesegen
Reift nur heran bei Sonnenlicht.

Theodor Fontane

 

 

 

So muß man leben!
Die kleinen Freuden aufpicken,
bis das große Glück kommt.
Und wenn es nicht kommt,
dann hat man wenigstens
die "kleinen Glücke" gehabt.

Theodor Fontane

 

 

Gesundheit ist Glück, so sagt der Kranke – Reichtum ist Glück, sagt der Arme, Weisheit ist Glück, sagt der Philosoph – und sie haben alle Recht. Unglück aber ist gewiß, das nicht erreichen zu können, was man bedarf.

Fanny Lewald

 

 

 

Das Glück, das glatt und schlüpfrig rollt,
tauscht in Sekunden seine Pfade,
ist heute mir, dir morgen hold
und treibt die Narren rund im Rade.

Laß fliehn, was sich nicht halten läßt,
den leichten Schmetterling laß schweben,
und halte dich nur selber fest;
Du hältst das Schicksal und das Leben.

Ernst Moritz Arndt

 

 

Glück

O, frag' mich nicht, was ist denn Glück?
Sieh' vorwärts nicht, noch sieh' zurück!
O, such' es nicht in weiter Ferne,
Auf diesem oder jenem Sterne;
O, such's nicht dort und such's nicht hier!
Das Glück wohnt nur in dir.

Deutsches Sprichwort

 

 

 

Des Fremdlings Abendlied

Ich komme vom Gebirge her,
Die Dämmerung liegt auf Wald und Meer;
Ich schaue nach dem Abenstern,
Die Heimath ist so fern, so fern.

Es spannt die Nacht ihr blaues Zelt
Hoch über Gottes weite Welt,
Die Welt so voll und ich allein,
Die Welt so groß und ich so klein.

Sie wohnen unten Haus bei Haus,
Und gehen friedlich ein und aus;
Doch ach, des Fremdlings Wanderstab
Geht landhinauf und landhinab.

Es scheint in manches liebe Thal
Der Morgen- und der Abend-Strahl,
Ich wandle still und wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer: wo?

Die Sonne dünkt mich matt und kalt,
Die Blüthe welk, das Leben alt,
Und was sie reden, tauber Schall,
Ich bin ein Fremdling überall.

Wo bist du, mein gelobtes Land,
Gesucht, geahnt und nie gekannt?
Das Land, das Land, so hoffnungsgrün,
Das Land, wo meine Rosen blüh'n?

Wo meine Träume wandeln gehn,
Wo meine Todten auferstehn;
Das Land, das meine Sprache spricht,
Und Alles hat, was mir gebricht?

Ich übersinne Zeit und Raum,
Ich frage leise Blum' und Baum;
Es bringt die Luft den Hauch zurück:
"Da, wo du nicht bist, ist das Glück!"

Georg Philipp Schmidt

 

 

 

Kleines Glück

Sie geht in aller Frühe,
noch eh die Dämmrung schwand,
den Weg zur Tagesmühe
im ärmlichen Gewand;
die dunklen Nebel feuchten
noch in der Straße dicht,
sonst sähe man beleuchten
ein Lächeln ihr Gesicht;
die Götter mögen wissen,
warum sie heimlich lacht -
es weiß es nur das Kissen,
was ihr geträumt heut nacht.

Hermann Ritter von Lingg

 

 

 

Gebe den Menschen mehr, als sie erwarten, und tue es gern - Lerne Dein Lieblingsgedicht auswendig - Glaube nicht allem, was Du hörst, gebe alles weg, was Du hast, und schlafe soviel, wie Du willst - Wenn Du ich liebe dich sagst, sei ehrlich - Wenn Du zu jemand es tut mir leid sagst, schaue ihr / ihm in die Augen - Bleibe mindestens sechs Monate verlobt, bevor Du heiratest - Glaube an die Liebe auf den ersten Blick - Lache nicht über anderer Leute Träume - Liebe tief und leidenschaftlich. Du kannst Dich dadurch zwar verletzen, aber es ist der einzige Weg, das Leben vollkommen zu leben - Kämpfe bei Auseinandersetzungen mit fairen Mitteln. Mach keinen Gebrauch von Schimpfwörtern - Beurteile einen Menschen nicht nach seinen Verwandten - Sprich langsam, aber denke schnell - Wenn Dir eine Frage gestellt wird, der Du nicht antworten möchtest, lächele und frage: Warum fragst du? - Bedenke, daß große Liebschaften und große Errungenschaften mit Risiken einhergehen - Rufe Deine Mutter an - Sage Gesundheit, wenn jemand niest - Wenn Du verlierst, behalte die Lektion - Lasse nicht zu, daß ein kleines Mißverständnis eine große Freundschaft zerstört - Wenn es Dir bewußt wird, ein Fehler begangen zu haben, so unternehme etwas dagegen - Lächele, wenn Du am Telefon sprichst. Die Person, mit der Du sprichst, wird es an Deiner Stimme hören - Heirate eine Frau/einen Mann, mit der/dem Du Dich gerne unterhältst. Wenn ihr alt werdet, wird sich diese Fähigkeit genauso wie alle anderen auch auszahlen - Verbringe mehr Zeit allein - Öffne Dich für Neues, aber gebe Deine eigenen Werte nicht auf - Bedenke: die Stille ist manchmal die beste Antwort - Lese mehr Bücher und schaue weniger fern - Lebe ein gutes und ehrenvolles Leben. Wenn Du dann alt bist, kannst Du zurückblicken und Dein Leben noch einmal genießen - Habe Vertrauen in Gott, aber schließe Dein Auto ab - Es ist sehr wichtig, eine liebevolle Atmosphäre Zuhause zu haben. Tue Dein bestes, um ruhiges und harmonisches Zuhause zu schaffen - Bedenke bei Auseinandersetzungen mit geliebten Menschen lediglich die aktuelle Situation. Sprich nicht von der Vergangenheit - Vergesse nicht, zwischen den Zeilen zu lesen - Teile Dein Wissen, denn so kannst Du Unsterblichkeit erlangen - Sei sorgsam mit unserem Planeten - Bete, denn das Gebet hat eine unermeßliche Macht - Unterbreche niemanden, der Dich gerade lobt - Kümmere Dich um Dein eigenes Leben - Traue keiner Frau/keinem Mann, die/der beim Küssen nicht die Augen schließt - Wenn Du viel Geld verdienst, benutze es, um anderen zu Deinen Lebzeiten zu helfen, denn dies ist die höchste Befriedigung, die das Geld bringen kann - Bedenke, daß etwas nicht zu erreichen was man sich wünscht, einen Glücksfall bedeuten kann - Lerne alle Regeln und breche ein paar - Denke daran, daß die beste Beziehung diejenige ist, in der die Partner sich gegenseitig mehr lieben als brauchen - Schätze Deinen Erfolg nach allem, worauf Du verzichten mußtest, um etwas zu erreichen - Bedenke, daß Dein Charakter Dein Schicksal ist - Genieße die Liebe und die Kochkunst mit aller Hingabe.

Unbekannt

 

 

 

 


Das Gesetz des Glücks

Wenn Du etwas magst, genieße es.
Wenn Du etwas nicht magst, vermeide es.
Wenn Du etwas nicht magst
und nicht vermeiden kannst, ändere es.
Wenn Du etwas nicht magst
und nicht vermeiden und nicht ändern kannst,
akzeptiere es und
ändere Deine Sicht der Angelegenheit.
Wenn Du es nicht akzeptierst,
bleibst Du unglücklich.

Unbekannt

 

 

 

Wünsche

Ich wollte manchmal,
ich wäre so erfahren
wie ich alt bin,
oder auch nur
so klug,
wie erfahren ich bin,
oder wenigstens
so glücklich
wie ich klug bin …

Aber ich glaube,
ich bin zu dumm dazu …

Unbekannt

 

 

Stille – nirgends ein Laut
ich höre ihn…
Deinen Atem auf meiner Haut

Glockengeläut und Kerzenrauch
ich fühle sie…
die Schmetterlinge im Bauch

Jede Berührung intensiv erlebt
da ist sie wieder…
wie es in mir bebt…
ich nenn es…
›Die Gänsehaut des Glücks‹.

Unbekannt

 

 

 

Rennt dem scheuen Glücke nach!
Freunde, rennt euch alt und schwach!
Ich nehm teil an eurer Müh:
Die Natur gebietet sie.
Ich, damit ich auch was tu, –
Seh euch in dem Lehnstuhl zu.

 

Gotthold Ephraim Lessing

 

 

 

Geflügelt ist das Glück und schwer zu binden,
nur in verschloßner Lade wird's bewahrt.
Das Schweigen ist zum Hüter ihm gesetzt.
Und rasch entfliegt es, wenn Geschwätzigkeit
voreilig wagt, die Decke zu erheben.

Johann Christoph Friedrich von Schiller

 

 

 

 

Mir ist, als müßt ich singen
So recht aus tiefster Lust,
Von wunderbaren Dingen,
Was niemand sonst bewußt.

O könnt ich alles sagen!
O wär ich recht geschickt!
So muß ich still ertragen,
Was mich so hoch beglückt.

 

 

 

 

Glück

Glück ist gar nicht mal so selten,
Glück wird überall beschert,
Vieles kann als Glück uns gelten,
was das Leben uns so lehrt.

Glück ist jeder neue Morgen,
Glück ist bunte Blumenpracht,
Glück sind Tage ohne Sorgen,
Glück ist, wenn man fröhlich lacht.

Glück ist Regen, wenn es heiß ist,
Glück ist Sonne nach dem Guß.
Glück ist, wenn ein Kind ein Eis ißt,
Glück ist auch ein lieber Gruß.

Glück ist Wärme, wenn es kalt ist,
Glück ist weißer Meeresstrand.
Glück ist Ruhe, die im Wald ist,
Glück ist eine Freundeshand.

Glück ist eine stille Stunde,
Glück ist auch ein gutes Buch.
Glück ist eine frohe Runde,
Glück ist freundlicher Besuch.

Glück ist niemals ortsgebunden,
Glück kennt keine Jahreszeit.
Glück hat immer der gefunden,
der sich seines Lebens freut.

Liebe schenken, Freude geben,
dankbar und zufrieden sein,
ist das höchste Gut im Leben
und schließt alles Schöne ein.

Unbekannt

 

 

 

 

Der Lenz ist gekommen
Und mit ihm das Glück,
Doch wer es nicht glaubet,
Dem weicht es zurück.
O, weiche nicht, bleibe
O, weich' nicht zurück,
Was einer auch treibe,
Er brauchet das Glück.

Friederike Kempner

 

 

 

Verloren

Was Holdes liegt mir in dem Sinn,
Das ich vor Zeit einmal besessen;
Ich weiß nicht, wo es kommen hin,
Auch, was es war, ist mir vergessen.
Vielleicht – am fernen Waldesrand,
Wo ich am lichten Junimorgen
– Die Kinder klein und klein die Sorgen –
Mit dir gesessen Hand in Hand,
Indes vom Fels die Quelle tropfte,
Die Amsel schallend schlug im Grund,
Mein Herz in gleichen Schlägen klopfte
Und glücklich lächelnd schwieg dein Mund;
In grünen Schatten lag der Ort –
Wenn nur der weite Raum nicht trennte,
Wenn ich nur dort hinüberkönnte,
Wer weiß! – vielleicht noch fänd ich's dort.

Theodor Storm

 

 

 

 

Venetianischer Gondelgruß 1873

Glücklich hab' ich ihn erlauscht -
Ob ich neckend mich verstecke?
Schwesterchen, die Gondel rauscht,
Sieh, da fährt er um die Ecke!
G'raden Flugs herauf zu mir
Dringt sein herrlich leuchtend Grüßen -
Blumen, glücklich seid nur ihr,
Daß euch seine Lippen küssen!

Unbekannt

 

 

Das kleine Mädchen

Es war ein armes kleines Mädchen,
Das stickte nur mit kurzen Fädchen;

Ich glaube Lina war ihr Name.
Sie wurde eine schöne Dame,

War fleißig, brav und lernte gerne,
Da kam ein Prinz aus weiter Ferne.

Der sagte: "Liebe gute Lina,
Komm mit mir auf mein Schloß nach China."

Dort sitzen sie nun alle beide
Auf einem Thron von gelber Seide.

Joachim Ringelnatz

 

 

 

Das Glück

Es huscht das Glück von Tür zu Tür,
Klopft zaghaft an: – wer öffnet mir?

Der Frohe lärmt im frohen Kreis
Und hört nicht, wie es klopft so leis.

Der Trübe seufzt: Ich laß nicht ein,
Nur neue Trübsal wird es sein.

Der Reiche wähnt, es pocht die Not,
Der Kranke bangt, es sei der Tod.

Schon will das Glück enteilen sacht;
Denn nirgends wird ihm aufgemacht.

Der Klügste öffnet just die Tür –
Da lacht das Glück: Ich bleib bei dir!

Richard Zoozmann

 

 

 

Mein Herz ist eine Knospe,
Die still verborgen keimt
Und in dem Sturm des Winters
Von schönren Lenzen träumt.

Mein Herz ist eine Knospe,
Und wenn es liebend bricht,
Entfaltet sich die Blüthe
Dem ew'gen Sonnenlicht.

Eduard Ferrand

 

 

 

 

Ach! zum Erdenglück geboren,
Hoher Ahnen, großer Kraft,
Leider früh dir selbst verloren,
Jugendblüte weggerafft!
Scharfer Blick, die Welt zu schauen,
Mitsinn jedem Herzensdrang,
Liebesglut der besten Frauen
Und ein eigenster Gesang.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

Einsicht

Schau nicht, schau nicht so um dich her,
als ob da deine Welt sich breite.
Die Erde nicht und nicht das Meer,
zieh deinen Blick hinaus ins Weite.
Du wohnst hier nur im Wanderzelt;
die Heimat fordert all dein Sinnen,
und suchst du deine wahre Welt,
so richte deinen Blick nach innen.
Bau nicht, bau nicht ein festes Haus
als Heim auf irdschem Grund und Boden;
man trägt dich doch dereinst hinaus
und legt als tot dich zu den Toten.
Dein wahres Heim, es ist nur dort,
wohin du lebst und denkst, zu schauen,
und jede Tat und jedes Wort
trägst du ihm zu, um es zu bauen.
Trau nicht, trau nicht dem eb'nen Weg,
den Tausende durchs Leben wandern.
Weich ab, weich ab zum steilen Steg,
und laß sie lächeln, all die andern.
Sieh auf die Toren nicht zurück,
und achte nicht auf ihre Stimmen;
denn wisse wohl, dein wahres Glück
liegt hoch und läßt sich nur erklimmen.

Karl Friedrich May

 

 

Wo war, wo ist, wo wird sie sein,
die Stunde, wahrem Glück erlesen?
Sie ist und sie wird nicht sein,
denn sie ist immer nur gewesen!
Daß wir glücklich waren,
wissen wir erst,
wenn wir es nimmer sind.

Anastasius Grün

 

 

 

Keinen Eingebornen
Preiset als zum Glück Erkornen,
Bis er ohne Leid und Klagen
Seinen letzten Tag ertragen,
Bis zum Ziele seines Strebens
Er gelangt und seines Lebens.

Sophokles

 

 

 

 

Bajazzo

Seltsam sind des Glückes Launen,
Wie kein Hirn sie noch ersann,
Daß ich meist vor lauter Staunen
Lachen nicht noch weinen kann!
Aber freilich steht auf festen
Füßen selbst der Himmel kaum,
Drum schlägt auch der Mensch am besten
Täglich seinen Purzelbaum.
Wem die Beine noch geschmeidig,
Noch die Arme schmiegsam sind,
Den stimmt Unheil auch so freudig,
Daß er's innig lieb gewinnt!

Frank Wedekind

 

 

 

 

 

 

Glücklich ist, wer froh empfindet
Wahre Herzensfreudigkeit,
Wer in seinem Wandel findet
Trost für unglückschwere Zeit.

Glücklich ist, wem es beschieden,
Ganz zu fassen Freud' und Schmerz,
Durch das schönste Glück hienieden;
Durch ein freies, reines Herz.

Glücklich ist, wem es gegeben,
Recht zu handeln immerzu,
Er fühlt selbst bei dürft'gem Leben
Wahren Reichtum – Seelenruh'!

Hermann Weise

 

 

 

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Heinrich Heine

 

 

Ein Wandrer zog mit müdem Schritt:
"Herr Postillion, ei, nehmt mich mit!"
Drin saß ein braunes Kind allein,
nun fuhren traulich sie zu zwein.

Er sprach, er habe das Glück gesucht,
doch sei das Glück noch auf der Flucht;
sie sprach, nun sei auch die Mutter tot,
da sucht sie jetzt als Magd ihr Brot.

Wie kurz die Fahrt! Das Posthorn klang,
der Bursche sich aus dem Wagen schwang.
Sie sind einander nimmer begegnet,
doch jeder hat still das andre gesegnet.

Paul Barsch

 

 

 

 

Das Märchen vom Glück

 

Sie sind allein, denn die Mutter kehrt
Zu Nacht erst vom Felde zurück…
Durchs Fenster rauschet die Linde,
Und die Alte erzählet dem Kinde
Das sonnige Märchen vom Glück.

Sie erzählt vom verwunschenen Königssohn
Und der boshaft grollenden Fee,
Vom Schloß am Felsenstrande
Vom wilden Wogengebrande
Und der Fischerhütte am See.

Und der Prinz vertrauerte Jahr um Jahr
Als Schlange im dumpfigen Grund…
Er wand sich in glühenden Ketten;
Ein Kuß nur konnte ihn retten,
Ein Kuß von rosigem Mund.

Des Fischers liebliches Töchterlein
Trug hohen, herrlichen Sinn;
Sie sprengte die Ketten von Golde;
Er aber machte die Holde
Zu seiner Königin!

Großmutter schweigt, und das Spinnrad schnurrt,
Und das Mägdlein sitzt wie gebannt;
Und es faltet die Hände im Schoße
Und heftet das Auge, das große,
Starr träumend an die Wand.

Großmutter, wie schön, o wie einzig schön!
Großmutter, o wäre das wahr!
Großmutter, mir würde nicht bange, -
Wie gerne umarmt ich die Schlange
Trotz Schauer und Todesgefahr!

Warum nur hat man das alles erdacht,
Wenn's nie sich auf Erden begab… ?
Mir wird in der Seele so wehe,
Wie in des Kirchhofs Nähe,
Wie vor des Vaters Grab!

Sei stark, du zitterndes Kinderherz,
Und dränge die Thränen zurück!
Uns alle hat es belogen,
Uns alle hat es betrogen,
Das sonnige Märchen vom Glück!

Ernst Eckstein

 

 

Warum denn währt des Lebens Glück
Nur einen Augenblick?
Die zarteste der Freuden
Stirbt wie ein Schmetterling,
Der hangend an er Blume
Verging, verging.

Johann Gottfried von Herder

 

 

 

Das Glück, das klopfte bei mir an,
Stand vor der Tür und wollt herein;
Ich hab ihm doch nicht aufgetan,
Da mocht's nicht länger draußen sein.

Es ging so leise, wie es kam.
Ich hört es nicht, ich sah es nicht,
Doch fühlt ich, wie es Abschied nahm.
In meiner Brust erlosch ein Licht.

Ludwig Thoma

 

 

Mir ist's zu wohl ergangen,
Drum ging's auch bald zu End',
Jetzt bleichen meine Wangen,
Das Blatt hat sich gewend't.

Die Blumen sind erfroren,
Erfroren Veil und Klee,
Ich hab' mein Lieb' verloren,
Muß wandern tief im Schnee.

Das Glück läßt sich nicht jagen
Von jedem Jägerlein,
Mit Wagen und Entsagen
Muß drum gestritten sein.

Joseph Victor von Scheffel

 

 

 

 

Es wird nach einem happy end
Im Film jewöhnlich abjeblendt.
Man sieht bloß noch in ihre Lippen
den Helden seinen Schnurrbart stippen -
da hat sie nu den Schentelmen.
Na, un denn - ?

Denn jehn die beeden brav ins Bett.
Na ja ... dißis ja auch janz nett.
A manchmal möcht man doch jern wissn:
Wat tun se, wenn sie sich nich kissn?
Die könn ja doch nich imma penn ... !
Na, un denn - ?

Denn säuselt im Kamin der Wind.
Denn kricht det junge Paar 'n Kind.
Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba.
Denn macht er krach. Denn weent sie drüba.
Denn wolln sich beede jänzlich trenn ...
Na, un denn - ?

Denn is det Kind nich uffn Damm.
Denn bleihm die beeden doch zesamm.
Denn quäln se sich noch manche Jahre.
Er will noch wat mit blonde Haare:
vorn doof und hinten minorenn ...
Na, un denn - ?

Denn sind se alt.
Der Sohn haut ab.
Der Olle macht nu ooch bald schlapp.
Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit -
Ach, Menschenskind, wie liecht det weit!
Wie der noch scharf uff Muttern war,
det is schon beinah nich mehr wahr !
Der olle Mann denkt so zurück:
wat hat er nu von seinen Jlück?
Die Ehe war zum jrößten Teile
vabrühte Milch und Langeweile.
Und darum wird beim happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.

Kurt Tucholsky

 

 

 

Glückspilz

Geboren ward er ohne Wehen
Bei Leuten, die mit Geld versehen.
Er schwänzt die Schule, lernt nicht viel,
Hat Glück bei Weibern und im Spiel,
Nimmt eine Frau sich, eine schöne,
Erzeugt mit ihr zwei kluge Söhne,
Hat Appetit, kriegt einen Bauch,
Und einen Orden kriegt er auch,
Und stirbt, nachdem er aufgespeichert
Ein paar Milliönchen, hochbetagt;
Obgleich ein jeder weiß und sagt:
Er war mit Dummerjahn geräuchert!

Wilhelm Busch

 

 


Das höchste Glück hat keine Lieder,
Der tiefste Schmerz hat keinen Laut,
Sie spiegeln beide still sich wider
Im Tropfen, der vom Auge taut.

So einen sich in stummen Zähren
Das höchste Glück, das tiefste Leid,
Bis sie in Liebe sich verklären,
Anbetend in Gottseligkeit.

Julius Karl Reinhold Sturm

 

 

 

 

Lebensernst

Nicht nur auf schönen, gold'nen Tagen
Baut sich das wahre Lebensglück,
Entbehren müssen wir, entsagen,
Wir müssen lernen, zu ertragen
Auch manches bitt're Mißgeschick.
Doch nur getrost – indes wir weinen –
Steht hinter Wolken schon bereit
Die liebe Sonne, uns zu scheinen
Aufs neu in voller Herrlichkeit!

Unbekannt

 

 

 

Südliche Mondnacht

Werden zu doppelter Lust nun doppelte Tage geboren?
Ehe der eine versank, steigt schon der neue herauf!
Herrlich in Salben und Glanz, gedächtnislos wie ein Halbgott,
Deckt er mir Gärten und See zu mit erstarrendem Prunk.
Und der vertrauliche Baum wird fremd, fremd funkelt der Springbrunn,
Fremde und dunkle Gewalt drängt sich von außen in mich.
Sind dies die Büsche, darin die bunten Gedanken genistet?
Kaum mehr erkenn ich die Bank! Die ists? Die lauernde hier?
Aber sie ists, denn im Netz der fleißigen, winzigen Spinne
Hängt noch der schimmernde Punkt! Komm ich mir selber zurück?
Als dein Brief heut kam – ich riß mit zu hastigen Fingern
Ungeduldig ihn auf –, flogen die Teilchen hinweg
Von dem zerrissenen Rand: sie sprühten wie Tropfen dem Trinker,
Wenn er zum Springbrunn sich drängt, um den verdürsteten Mund!
Ja, jetzt drängt sichs heran und kommt übers Wassers geschwommen,
Hebt sich mit lieblichem Arm rings aus dem Dunkel zu mir:
Wie ein Entzauberter atme ich nun, und erst recht nun verzaubert,
Und in der starrenden Nacht halt ich den Schlüssel des Glücks!

Hugo von Hofmannsthal
 

 

 

 

Ruhe des Herzens

Wie heimlich glüht ein Bild
aus langer Dämm'rung:
Ein Sommerabend war's
Im Heimatdorfe;
Noch lag ein Sonnenhauch
Auf Dach und Giebeln,
Und hell stand schon der Mond
In leerer Straße.
Der Nachbar sprach ein Wort
Von Tau und Regen,
Er sprach zu seinem Weib
Drin in der Kammer;
Er zog das Fenster an,
Es klang der Riegel;
Ein erstes Sternlein trat
Aus lichtem Dunkel.
Aus fernen Gärten klang
Ein Mädchenlachen;
Ein letzter Nachhall dann
Und letzte Stille.
Und all die Sommerwelt
Ging wie ein Atem
Geruhig ein und aus
Durch meine Lippen. –

Nun weiß ich's, da mein Haar
Beginnt zu bleichen:
Was damals ich geatmet, war
Das Glück.

Otto Ernst

 

 

 

 

Fehlgeschossen

Fritz war ein kecker Junge
Und sehr geläufig mit der Zunge.
Einstmals ist er beim Ährenlesen
Draußen im Felde gewesen,
Wo die Weizengarben, je zu zehn,
Wie Häuslein in der Reihe stehn.
Ein Wetter zog herauf.
Da heißt es: Lauf!
Und flink wie ein Mäuslein
Schlüpft er ins nächste Halmenhäuslein.
Krach! - Potztausend nochmal!
Dicht daneben zündet der Wetterstrahl.
Ätsch, rief der Junge, der nicht bange,
Und streckt die Zunge aus, die lange:
Fehlgeschossen, Herr Blitz!
Hier saß der Fritz!

Wilhelm Busch

 

 

 

 


Nicht Glückes bar sind deine Lenze

Nicht Glückes bar sind deine Lenze,
Du forderst nur des Glücks zu viel;
Gib deinem Wunsche Maß und Grenze,
Und dir entgegen kommt das Ziel.

Wie dumpfes Unkraut laß vermodern,
Was in dir noch des Glaubens ist:
Du hättest doppelt einzufodern
Des Lebens Glück, weil du es bist.

Das Glück, kein Reiter wird's erjagen,
Es ist nicht dort, es ist nicht hier;
Lern' überwinden, lern' entsagen,
Und ungeahnt erblüht es dir.

Theodor Fontane

 

 

Ausgleich

Was an Schmerzen du erfahren,
Ist vergessen auch zur Stund',
Küßt nach langen, öden Jahren
Wieder dich ein schöner Mund.

Was die Zeit an Ruhm dir raubte,
Hast du doppelt reich und schnell,
Wenn dein Kranz, der früh entlaubte,
Wieder ausschlägt grün und hell.

Darum sel'ge Tränen weine,
Wird dir noch ein spätes Glück:
Denn es bleibt nun auch das deine,
Und kein Gott nimmt's mehr zurück!

Ferdinand von Saar

 

 

O wo ist, wo ist das Glück zu Hause,
Daß ich's endlich finden mag und greifen,
Und mit starker Fessel an mich binden!
O wo ist, wo ist das Glück zu Hause!

»Wo des Mondes Sichel schwimmt im Wasser,
Wo das Echo schläft am hohlen Felsen,
Wo der Fuß des bunten Regenbogens
Auf dem Rasen steht, da geh' es suchen!«

Emanuel Geibel
 

 

 

 

 

Wer großes Glück kann tragen,
Der hat ein starkes Herz
Und mag es mutig wagen
Mit jedem Spiel und Scherz;
D'rum wird auf steilsten Höhen
Des Ruhmes Kranz gereicht;
Denn Unglück zu bestehen
Macht Gott im Himmel leicht.

Ernst Moritz Arndt

 

 

Nicht aus des Herzens bloßem Wunsche keimt
Des Glückes schöne Götterpflanze auf.
Der Mensch soll mit der Mühe Pflugschar sich
Des Schicksals harten Boden öffnen, soll
Des Glückes Erntetag sich selbst bereiten
Und Thaten in die off'nen Furchen streu'n,
Er soll mit etwas den Genuß erkaufen,
Wär's auch mit des Genusses Sehnsucht nur.

Heinrich von Kleist

 

 

 

In der trüben Einsamkeit
Späh ich nach der Spur
Jener kurzen, süßen Zeit,
Da ich Glück erfuhr.

Ja, die Wege weiß ich noch,
Und die Spur ist nah.
Aber Schnee liegt spannenhoch,
Wo mein Glück geschah.

Meine Tränen fallen drauf,
Wärmen rings den Ort.
Und der Schnee taut langsam auf,
Und der Schnee schmilzt fort.

Erich Mühsam

 

 

Was ist das Glück? –
Nach jahrelangem Ringen,
Nach schwerem Lauf ein kümmerlich Gelingen,
Auf greise Locken ein vergoldend Licht,
Ein spätes Ruhen mit gelähmten Schwingen –?
Das ist es nicht!

Das ist das Glück:
Kein Werben, kein Verdienen!
Im tiefsten Traum, da ist es dir erschienen,
Und morgens, wenn du glühend aufgewacht,
Da steht's an deinem Bett mit Gönnermienen
Und lacht, und lacht!

Bernhard Endrulat

 

 

 

 

Vielleicht hat das Glück es gut gemeint,
Wenn es versagt, was wir erbitten –
Und vielleicht wollt' es als unser Feind
Mit seinen Gaben uns überschütten;
Es ward in Palästen schon viel geweint
Und viel schon gelacht in ärmlichen Hütten.

Albert Roderich

 

 

 

Sorgen, Sorgen, graue Sorgen
Halten eisern dich umfaßt.
Sie zu bannen, denkst und ringst du
Tag' und Nächte ohne Rast.

Und dieweil du also kämpfest,
Geht, was nimmer kehrt zurück,
Oft an deiner Thür' vorüber,
Armes Menschenkind, das Glück!

Emil Peschkau

 

 

 

Es zog des Weges eine lärmende Schaar,
Die das Glück zu suchen gegangen war. –

Ein Weib stand am Wege, verschleiert und stumm;
Sie stürmten weiter und sah'n sich nicht um! –

Das Weib schlug lächelnd den Schleier zurück;
Sie waren vorbei schon. Es war das Glück.

Albert Roderich

 

 

 

 

Beim Hauch des Morgens und der Mitternächte Schauer
Fühl ich die Trauer, daß die Welt hat keine Dauer;

Daß wir am Anfang schon dem End entgegen gehn
Und doch am Ende noch beim Anfang immer stehn.

Bald haben wirs verwacht, bald haben wirs verträumt,
Nie säumend Tag und Nacht, das Glück ist stets versäumt.

Friedrich Rückert

 

 

 

Es ist schön, die Menschen glücklich machen,
Du kannst es jetzt.
O, nicht den schönen Augenblick verletzten!
Es wachen
Viel gute Geister über unsre Schmerzen
Und ob man Augen trocknet oder netzt,
Das schreiben sie in ihre klaren Herzen.

Karl Theodor Körner

 

 

 

Encore

Nun bist du ruhig, liebes Herz.
Die Schmerzen gleiten
nur so von weitem
noch heimatwärts.
Das waren trübe Zeiten.

Der Mond wacht schon am Himmel lang.
Mir quillt versonnen
aus Seelenbronnen
ein kühler Sang
von neuen lieben Wonnen.

Was sing' ich denn die trübe Nacht?
Laßt uns doch warten!
Bald kommt in Fahrten
von hoher Pracht
der Tag in unsern Garten.

Die böse Sehnsucht ist mir tot.
Der Tag will schlingen
um mich ein Klingen.
Glück wuchs aus Not.
Wie will ich fröhlich singen!

Walter Calé

 

 

 

Nachtigall

Wenn ich zur Nacht aus dem Wirtshaus hinke,
Wo ich Geld und Verstand vertrinke,
Wie meine Mutter und teure Magen
Mir des öftern belieben zu sagen:
Dann hör ich wohl auch, wie Tausende schon,
Der Nachtigall lüsternen Klageton:
Das zittert so hell aus lauterer Kehle
Und dringt so hinein in die Menschenseele.
Da steh ich auf altem Paradeplatze,
hängenden Schweifes schleicht eine Katze -
Und ich denk an mein weibliches Ideal,
Das aus hundert Weibern zusammen ich stahl –
Und denk an die Esel vergangener Zeit,
An des Glückes notorische Schlüpfrigkeit
Und mir ist, als könnt ich da unten auf Erden
Noch einmal riesig glücklich werden.

Ludwig Scharf

 

 

 

 

Zur Hochzeit zweier Täubgen,
Von jeher Mann und Weibgen,
Die nicht sich auserkohren,
Die nur sich nicht verloren,
Soll Euer Liebden Gnaden
In aller Ehrfurcht laden,
In ihrem Namen zwar
Der Hochzeitsbitter Paar.
Wer Herz hat froh zu sein
Wo treue Liebe thronet
In vollem Sonnenschein,
Wens stärket, wens belohnet,
Der trete froh herein;
Versuch es, mit zu schwärmen
Und fühlt er eignen Schmerz,
An ihrem Glück zu wärmen
Sein Schweitzerliches Herz.
Exempel nur genommen,
Es wird an ihn auch kommen,
Die Welt ist rund und weit,
Hat jeder seine Zeit.
Es kann durch langes Trauren
Leicht unser Herz versauren,
Und wenn wir uns zerstreun,
Ist doch die Lust nicht rein.
O! der ist proskribiret
Wen fremdes Glück nicht rühret,
Der kann es selbst nie sein,
Kein Thier freut sich allein.
Es müßt denn sein von Thieren –
Doch wo komm' ich hinein
Mit meinem Pourparliren?
Wollt Euch nur demonstriren,
Daß wenn sich zwey geniren
Und jeden invitiren
Vor ihnen zu scharmiren,
Ihr nicht dürft sagen: Nein!

Jakob Michael Reinhold Lenz

 

 

Im Glücke geht ein wunderliches Walten!
Viel besser magst du's finden als behalten;
Es wanket, eh man irgend es besorgt.
Den es betrüben will, es gern bei Zeit bedenket,
Und nimmt bei Zeitren gern zurück, was es geschenket;
Den blendet's, der zu viel von ihm geborgt.
Es hat schwache Stütze
Das gläserne Glücke;
Spiegelt sich's den Augen und scheint wunders nütze:
Gerade dann bricht's leicht in kleine Stücke.

Gottfried von Straßburg

 

 

 

Ach, erlebt' ich's einmal noch!
Daß wir die Rosen miteinander brächen!
Ach, erlebt' ich's noch zum Heil uns beiden!
Daß wir freundlich wie zwei Liebste sprächen!
Nichts vermöchte uns dann mehr zu scheiden.
Küßte sie mich dann zu guter Stunde
Mit dem roten Munde,
Braucht' an Glück ich nie mehr Not zu leiden.

Walther von der Vogelweide

 

 


Beruhigung

Sprich, was soll dein irres Sehnen,
Was dein hoffnungsloser Schmerz?
Blicke mutig durch die Thränen,
Blicke freudig himmelwärts.

Wo, was jetzt vorüberwehend,
Wie ein Himmelston verklingt,
Jugendkräftig und bestehend
Alle Schmerzen niederzwingt.

Wünsche dir entfloh'ner Stunden
Helle Freude nicht zurück –
Denn das Glück ist nie verschwunden,
Was verschwindet, ist kein Glück! –

Ludwig Schnabel

 

 

 

Es ist das Glück ein flüchtig Ding,
Und war's zu allen Tagen;
Und jagtest du um der Erde Ring,
Du möchtest es nicht erjagen.

Leg' dich lieber ins Gras voll Duft
Und singe deine Lieder;
Plötzlich vielleicht aus blauer Luft
Fällt es auf dich hernieder.

Aber dann pack' es und halt' es fest
Und plaudre nicht viel dazwischen;
Wenn du zu lang' es warten läßt,
Möcht' es dir wieder entwischen.

Emanuel Geibel

 

 

Vor Freude will ich singen

Vor Freude will ich singen,
Weil's mir jetzt tut gelingen.
Denn die ich hab begehrt,
Die hat mir Gott beschehrt.
Der ich mich hab ergeben,
Mit ihr in Freud zu leben.
Sie hat mein Herz besessen,
Kann ihrer nicht vergessen.

Ich hab oft großes Leiden,
Jetzt ist's verkehrt in Freuden.
Was lang ich hab begehrt,
Das ist mir jetzt gewährt.
All's Trauren will ich meiden,
Ob mich gleich viel drum neiden,
Was Gott ein'm tut bescheren,
Kann ihm kein Mensch verwehren.

Hans Leo Haßler von Roseneck

 

 

 

Dann zog er hinab ins Tal
eine Vollmondnacht,
eine Goldmondnacht.
Die stumme Nachtigall
in seinem Herzen erwacht.
Er sagt zu der armen Gefangenen:
Flieg hinaus in den grünen Hain!
Ich bin voll von dem Neuen, dem Vergangenen,
ich bin jung von berauschender Pein.
Der Frühling aus fernen Weiten
stand wie neu erweckt am Hang,
und er sang wie in Nachtigallenzeiten
seines Herzens Überschwang.

Erik Axel Karlfeldt

 

 

 

Wenn du dein Auge schließest,
wo ist das Licht dann, wo?
Erloschen ist der Sonne Glanz,
der Sterne Schimmer floh.

Die Welt ist Nacht und Öde,
der Mond nicht scheinen mag;
dein Aug' erst spricht dein Schöpfungswort,
gibt deiner Welt den Tag.

Wenn nicht in deinem Herzen,
wo ist das Glück dann, wo?
Was dir die Welt als Glück gewährt,
macht nie dich völlig froh.

Du führst das Glück selbst in die Welt
aus dir, aus dir allein.
Die Welt ist Nacht und Öde,
kannst du nicht glücklich sein.

Richard Hamel

 

 

Über den Bergen

Über den Bergen,
weit zu wandern, sagen die Leute,
wohnt das Glück.
Ach, und ich ging,
im Schwarme der andern,
kam mit verweinten Augen zurück.
Über den Bergen,
weit, weit drüben, sagen die Leute,
wohnt das Glück.

Carl Hermann Busse

 

 

 

Nachts

Tiefstill die Nacht. Nur manchmal, halb im Traum,
hör ich ein Knistern an den weiten Wänden,
ein ruhlos Tasten hier und dort im Raum,
als wie von feinen, schlanken Frauenhänden.
Dann weiß ich es, was dir dein Traum gebracht:
du suchst nach mir, du kannst mich nicht vergessen,
du suchst und suchst die ganze lange Nacht
nach einem Glück, das du doch einst besessen.

Carl Hermann Busse

 

 

 

Glück kommt wie Licht, wie Sonnenstrahlen,
Wie Windeswehn, wie Wolkenflug:
Hier einmal, dort zu hundertmalen
Und nie im Leben noch genug.

Wer kann es haschen, wer kann es finden?
Und wer bewahrt es, wenn er's hat? –
Es schwebt ein Atem in den Winden,
Und schwimmt im Strom ein grünes Blatt.

Feodor von Wehl

 

 

 

Das Glück gibt um zu nehmen

Das Glück gibt um zu nehmen;
Und wolltest du dich grämen,
Wenn es Gegebnes nimmt,
Wie es war vorbestimmt?

Mußt dich entweder schämen,
Unsichres anzunehmen,
Oder nicht seyn ergrimmt,
Wenn was zuschwamm entschwimmt.

Friedrich Rückert

 

 

 

Müde

Hab so wund gelaufen meine Füße
Auf dem weiten Wege nach dem Glück –
Lachend lief ich aus, um es zu suchen,
Schlich nach Haus mit thränenschwerem Blick.

Sah wohl wunderseltsam lichte Blumen,
Sah sie wohl an meinem Wege stehn,
Habe sie mit raschem Fuß zertreten,
Mußte eilen, mußte weitergehn.

Weitergehn, die eine nur zu finden,
Die in trügerischer Ferne winkt
Und mit ihren buhlerischen Düften
Unser Herz zur Schuld und Sünde zwingt.

Hab so wund gelaufen meine Füße
Auf dem weiten Wege nach dem Glück –
Lachend lief ich aus, um es zu suchen,
Kam so müde, kam so still zurück…

Thekla Lingen

 

 

Verzagt

Soll ich wieder schwärmen, ich,
Der ich müd bin und verdrossen,
Schicksalslaugenübergossen
Traurig, trüb und jämmerlich?

Soll ich? Nein, ich drücke mich.
Meine Schwärmer sind verschossen,
Und das Schicksal hat beschlossen:
Keine Wonnen mehr für dich.

Aber deine Augen, Kind,
Sind bestimmt, das Glück zu schauen,
Das im schönsten Bogen geht:
Ruhe, Klarheit, Majestät,
Davon deine Augenbrauen
Allerschönstes Abbild sind.

Otto Julius Bierbaum

 

 

 

Das Glück

Hat wer von Glück gesprochen?
Ist gar ein schönes Wort,
Dem Ohr ist es verklungen,
Dem Herzen hallt es fort.

Wie eine holde Sage,
Vom Glauben fromm geweiht,
So wie ein reizend Märchen
Aus längst vergangner Zeit.

Es weckt so süße Ahnung
Wo es die Herzen traf,
Und wiegt auch große Kinder
Zuweilen noch in Schlaf.

Auguste Kurs

 

 

Das Märchen vom Glück

Das Märchen vom Glück, das ich euch sag',
Dauert gerad' einen Herzensschlag;
Dürft drum mein Märchen nicht töricht schelten,
So tief ihr's faßt, so tief wird's euch gelten!
Und dies ist mein Märchen: Das echte Glück
Bleibt nur gerad' einen Augenblick.
Einmal hat's einer am Ärmel genommen
Und hielt's gefangen in seinem Haus,
Da hat es grau-graue Haare bekommen;
Und wie das Glück graue Haare bekommen,
Da sah es genau wie das Unglück aus …
Mein Märchen, es dauert so lang' wie das Glück:
Einen Herzensschlag; einen Augenblick.

Hugo Salus

 

 

 

Reifes Glück

Meine Blütenjahre sind
ungenutzt dahingeflossen;
denn das Glück hielt seine Pforten
neidisch vor mir zugeschlossen.

Lachend schaut es durch den Spalt,
nun des Sommers Rosen starben –
und von seinem Erntefelde
beut es mir die reifen Garben.

Clara Müller-Jahnke

 

 

 

 

Was ist das Glück?

Was ist das Glück?
Ein süßer Traum der Gegenwart,
Den milde Genien aufgespart –
Vergessen der Vergangenheit
Mit ihrem Leid –
Vergessen aller Zukunft auch,
Verhüllt in goldnem Nebelrauch –
Ein reicher Wonnetag allein
Im Blitzesschein –
Des Weltengeistes Anwesenheit,
Das Vollgefühl der Ewigkeit,
Kein Vorwärts mehr und kein Zurück –
Das ist das Glück!

Julius Waldemar Grosse

 

 

 

Der Moderne

Nun hab' ich mein grämliches Winterweh
Sechs Monde mystisch gehütet
Und hab' auf manchem ästhetischen Tee
Pessimistische Eier gebrütet.

Mein Büchlein, das meinen Gram umschloß,
Kam in die besten Familien;
Mein Büchlein, das meinen Kummer ergoß
Auf stilisierte Lilien.

Die schlanken Mondänen durchforschten's mit Fleiß,
Und heimlich lasen's die Zofen;
Und alle tranken literweis
Mein Herzblut aus meinen Strophen.

Sie lobten an meiner Seele Not
Die Feuer, die zuckend verflammten,
Und sprachen von meinem nahen Tod
Mit der Ruhe des Standesbeamten…

Doch heut' ist draußen der Frühling erwacht,
Schon duftet's nach hellen Syringen –
Mein Herz spürt die Sonne und klopft und lacht
Und hört die Knospen springen.

Mein Herz zerreißt seinen Trauerflor,
Meine Jugend wird wieder munter,
Sie haut der Sorge eins hinter das Ohr
Und schmeißt sie die Treppe hinunter.

Vom junggrünen Teppich der Wiese her
Klingen Schalmeien und Tänze…
So werf' ich hinter der Fliehenden her
Die raschelnden Lorbeerkränze.

Und blinzelt zur Nacht mir ein lustiger Stern,
Ich folg' ihm augenblicklich –
O Gott, wie bin ich unmodern!
O Gott, wie bin ich glücklich!

Rudolf Presber

 

 

 

Sicherheit im Glück

Sag' einem, der erfreut dem Glück im Schooße lieget,
Daß dessen Stille stets die Sicherheit betrüget,
Daß es uns, ehe wir es recht erkannt, verläßt;
Er höret dich nicht mehr, denn junge Hochzeitgäst'
Den Wächter, der des Nachts die Stunden rufet, hören;
Er spottet deiner Gunst und lachet deiner Lehren,
Und alle deine Wort' entführt der schnelle Wind.
Ein Glücklicher ist taub, sowie das Glück ist blind.

Christian Wernike

 

 

 

 

Baut ihr Kirchen, schön und viele,
Schafft dem Volk auch heitre Spiele,
Bauet ihm Euterpes Hallen,
Wo der Freude Töne schallen.
Laßt es turnen, ringen, schwimmen
Und den steilen Berg erklimmen.
Ein Spital für Alte, Schwache,
Ist gar eine feine Sache,
Für den Siechen auch ein Bette
In dem Krankenlazarethe:
Doch Gesundheit, Wohlbefinden
In den Schulen zu begründen,
Frohe Menschen! Volkesfreude!
Gelten mir so hoch wie beide.

Unbekannt

 

 


Traum

Bleib, o bleib in deiner Träume Welt,
Such nicht des Lebens wirkliches Sein!
Es hat nur dunkle oder grelle Farben,
Der Traum nur hat der Morgensonne Schein;
Stirbst du lebend, bist du tot noch des Lebens,
Kehren wird dein Geist zu der Erde zurück;
Stirbst du als Träumer, kannst du ruhig sterben,
Mit dir verbleicht auch dein ewiges Glück.

Jens Peter Jacobsen

 

 

 

Glück im Unglück

Trifft ein Leid ein Herz voll Kummer,
Wird das minder aufgeschreckt,
Als wenn Leid aus seinem Schlummer
Ein Herz, das in Lust ist, weckt.

Da im Leben mich verlassen
Schmerz kaum einen Augenblick,
Kann ich mich, kommt neuer, fassen, –
So ist Unglück oft ein Glück.

Justinus Kerner

 

 

 

Schuldner oder Gläubiger

Manch ungehobelt Holz wird zum Merkur gemacht,
Weil mancher theure Mann, aus aller Höfling' Acht,
Sich sonst bei keinem Maß, als seinem Schatten mißt.
Viel hebt das Glück empor, viel' hält es auch zurück;
Doch wer die Welt recht kennt, der findet, daß das Glück
Mehr Schulden ausstehn hat, als es selbst schuldig ist.

Christian Wernike

 

 

Die wahre Glückseligkeit

Das ist wohl nicht das größte Gut,
Ein neues Kleid, ein neuer Hut,
Der hohe Rang, die goldne Dose!
Der Hirt ist glücklicher auf Moose,
Als du bei vollbesetztem Tisch,
Bei Torten und dergleichen Wisch.
Er kann bei seinem leichten Essen
Den Kummer und den Gram vergessen,
Und wie der Städter nicht sein Kind,
Liebt er in Einfalt dort sein Rind.
Dies Glück macht froh die, die es haben,
Ihm raubens Motten nicht, nicht Schaben.

Franz Grillparzer

 

 

Erinnerung

Wie war die schöne Sommernacht
So dunkel, mild und warm, –
Wie schrittest du so still und sacht
Gelehnt auf meinen Arm. –

Von Ferne klang, man hört' es kaum,
Musik mit leisem Schall,
Im blüthenduftgen Gartenraum
Sang eine Nachtigall.

Ein holdes schweigendes Verstehn
War zwischen mir und dir,
Ein selig Beieinandergehn,
Und glücklich waren wir.

Die schöne Zeit, sie liegt so weit –
Verweht wie eitel Schaum.
Sie liegt so weit die schöne Zeit
Versunken wie ein Traum.

Wie schrittest du so still und sacht
Gelehnt auf meinen Arm –
Wie war die schöne Sommernacht
So dunkel, mild und warm. –

Heinrich Seidel

 

 

Dir auf der Schulter flattert …

Dir auf der Schulter
Flattert ein Schmetterling,
Ein Frühlingslüftchen trug ihn her
Aus einem dunklen Wald.

Das ist der Falter Glück,
Der flog zu dir,
Weil du aus Licht,
Und Glück und Licht Geschwister sind.

Georg Heym

 

 

 

Stumme Liebe

Selig, willenlos dahingegeben,
Ruht der schlanke Leib in meinen Armen,
Und die feuchten, vollen Lippen suchen
Leise die meinen.

Aber keine Liebesworte schauern
Aus bedrängtem Busen weich ans Ohr mir;
Nur die dunklen, angstvoll großen Augen
Leuchten vor Liebe.

Schweigend pressen sich die heißen Hände,
Sprechen sich die Geister und die Herzen,
Und geheimnisvoll beschleicht die Seele
Ahnung des Glückes.

Felix Dörmann

 

 

 

Glück und Unglück

O, daß der Freude lichter Born,
Einmal getrübt, so leicht versiegt,
Und unser Glück und unsre Lust
Spurlos wie Schaum im Wind verfliegt!

Indes von jedem Unglück doch
Ein Stachel tief im Herzen bleibt
Und unauslöschbar seine Schrift
Der Schmerz in Stirn und Wangen schreibt!

Ernst Scherenberg

 

 

 

 

Der hat nie das Glück empfunden,
Dem des Lebens gleiche Stunden
Ewig in der Freude Weh'n
Ohne Schmerz vorübergeh'n.

Aber wem nach langen Qualen
Mit der Liebe Frühlingsstrahlen
Grüßend winkt der Freude Blick:
Der allein versteht das Glück.

Karl Theodor Körner

 

 

 

Zweierlei Glück

 

Zweifältig ist der Menschen Art,

Zu leeren ihres Glücks Pokal:

Der eine zögert, nippt und spart –

Langwährend ist sein Glück – doch schal!

 

Der andre trinkt's im vollen Zug,

So lang es frisch und prickelnd ist:

Sein Glück ist kurz, doch süß genug,

Da er es nimmermehr vergißt.

A. de Nora

 

 

 

Der Moment

Versprühn in Freudefunken muß
Ein langes Gramgeschick,
Zu Grunde gehn im Vollgenuß
Von einem Augenblick.

Es prägt kein Leben seine Spur
Der Welt auf ewig ein,
Wir können auf Momente nur
Vollkommen glücklich sein.

Wie leuchtend auch in höchster Pracht
Des Menschen Geist erglüht,
Er zeigt doch nur die tiefe Nacht,
In die er bald versprüht.

Hermann Ritter von Lingg

 

 

Glück

Die Beute meines Glücks war arm,
Und dennoch war ich reich genug;
So reich als einer, der im Arm
Des Schicksals schönste Schätze trug.

Denn was mein Glück so groß gemacht
Und ihm so goldnen Schimmer lieh
Und es umwob mit Märchenpracht,
War – meine Kinderphantasie.

Vielleicht war alles, was ich fand
Und selig heimwärts trug im Schoß,
Nur leeres Spielzeug, Flittertand,
Und bunte kalte Kiesel bloß.

Doch all das nahm ich wie ein Kind
Für Perlen und Dukatenstück' –
Nicht was des Lebens Dinge sind,
Was sie uns gelten, ist das Glück!

A. de Nora

 

 

 

Nie wirst du das Glück erhaschen,
Wenn du die Gunst des Augenblicks nicht ehrst.
Die Freude mißt sich nicht nach Ewigkeiten,
Es ist der Augenblicke flücht'ges Kind,
Und rasch, wie sie entstand, entflieht die Lust.
Sie ist ein selt'ner Gast des düstern Lebens,
Drum eile, sie mit heiterm Blick zu fesseln,
Wenn sie auf ros'gem Fittich sich dir naht.

Michael Beer

 

 

 

Liebeserklärung

– – Ich gedachte,
Wie mit der Zeit sich stets der Kreis erweitert,
In dem ich sucht und fand mein reinstes Glück:
Wie manches neue kleine Wesen kam,
Das einen Platz erstrebte zwischen uns
Und ihn erhielt und jedes obendrein
Bei seinem Eintritt auch mein ganzes Herz,
Das ganze Jedes – henkt die Mathematik!
Denn immer noch ein ganzes bleibt mir übrig,
Es zu verschenken, wenn es wieder gilt.
Nicht protzen möcht ich, aber solcher Reichtum
Ist unerhört in meinen hohen Jahren.
Ich dank ihn euch, so seid mir denn bedankt,
Ihr Großen und ihr Kleinen, Fernen, Nahen.
Durch meiner Liebe, eurer Liebe Kraft
Begiebt an mir ein schönes Wunder sich:
"Die Kinderlose hat die meisten Kinder."

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

 

 

Die Insel

Ich konnte kaum die Nacht erwarten,
nun war sie da.
Eintrat ich in den Liebesgarten –
und bin dir nah.

Die Skala der Gefühle spielen wir:
ein Duett.
Du exzellierst in allen Stilen –
adrett ... kokett ...

Scham. Abwehr. Weichen. Überfließen.
Ermattung. Schlaf.
Wie wir uns lose treiben ließen ...
Du schlummerst brav.

Der Morgen graut. Da rutscht die Zeitung
leis durch den Spalt.
Die böse Mittlerin, die Leitung –
Das Schlagwort knallt.

Im Dämmern les ich eine Zeile:
"Herr Müller spricht."
Hart tickt die Uhr in dummer Eile.
Wir bleiben nicht.

Wir treiben fort. In das Gerinsel
blick ich zurück.
Du gabst auf einer kleinen Insel
ein kleines Stundenglück.

Kurt Tucholsky

 

 

 

Briefwechsel

Im Garten, heute morgen,
Als ich deinen Brief erbrach,
Fand ich drin verborgen
Ein Rosenblatt.
Ein Rosenblatt, deinen Locken entsunken.
Als ich es trunken
Mit den Lippen berührte,
Kam ein Windhauch und entführte
Den holden Gast.
Nun segelt es lustig zu dir zurück.
Gleich einer Krone trägt es mein Glück
Auf tiefrotem Samt – und erblaßt.

Detlev von Liliencron

 

 

 

Glück

Laß der Sehnsucht Ziel entfließen,
Bleibet Täuschung nur zurück:
Nicht das Halten, das Genießen,
Nur die Sehnsucht war das Glück.

Zeiten gleiten, Stunden fließen,
Schwankend wandelt das Geschick.
Laß mich halten, mich genießen
Den geliebten Augenblick.

Laß den Augenblick verfließen,
Leise bleibt die Lust zurück:
Nicht im taumelnden Genießen,
Im Erinnern lebt das Glück.

Hans Hoffmann

 

 

 

 

Reue

Wie süß der Ton der Zither erklingt
Am nebligen Morgen!
Er weckt in mir ein Sehnen nach Glück
Und lieblichen Sorgen.

Des Lebens holde Freuden sie stehn
So licht vor dem Herzen!
Da denk' ich der geschwundenen Zeit
In Trauer und Schmerzen.

So wenig Stellen auf weitem Gebiet,
Die freundlich mir lachen. –
Ich hätte können glücklicher sein
Und glücklicher machen.

Melchior Meyr

 

 

 

 

 

Für ein kurzes Glück

Kurz ist dein Glück, o Nachtigall,
Und traumhaft wie die Frühlingsnacht,
Die dir in süßem Widerhall
Die Liederbrust ertönen macht.

Doch wie's auch schnell vorüberzieht,
Mir zeigt's erst recht, wie arm ich bin! –
Ein kurzes Glück, – ein schönes Lied, –
Ich gäb' darum mein Leben hin!

Siegfried Kapper

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Läuterung

Das eine Glück, das große, wundervolle,
Das jedem Menschen einmal nur gegeben –
Die Leidenschaft, die echte, heiße, tolle,
Die jeder einmal nur erlebt im Leben –

Du wirst sie jetzt, mein liebes Kind, erfahren!
Durch Deine Seele wird sie wild gewittern
Und Dich erschüttern, und in langen Jahren
Nachklingend noch in Deinem Herzen zittern ...

Doch fühlen mußt Du sie! Es muß verbrennen
Das Herz einmal die Flügel an der Flamme,
Daß es sich nicht in eitlem Selbstverkennen
Zu hoch erhebe und zu tief verdamme!

A. de Nora

 

 

Ein Lämpchen aufgeglommen,
Solch Lämpchen, Glück, bist du:
Aus Nächten hergekommen,
Den Nächten geht es zu.

Es glüht vor deinen Schritten;
Herzklopfend bleibst du steh'n. –
Und ist vorbeigeglitten,
Eh' du es recht geseh'n. –

Ludwig Jacobowski

 

 

 

 


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